Rudolph - Rudi - der Stolzmacher

         

Haflingerwallach, geb. wohl 1993, er hat nämlich einen Nummernbrand

 

    

Ende der 90iger Jahre stand auf unserer Anlage ein Haflinger als Einstallpferd. Er wurde mit (nach meiner Meinung) unpassendem Sattel, mit kurzem Zügel auf Westernkandare von einer recht schweren Frau geritten. Sie wechselte wiederholt ihre Pferde bei einem benachbartem Pferdehändler, so auch Rudi, der ihren Ansprüche nicht gut genug war.

   

Dieser Wallach ließ sich nicht oder nur schwerlich auftrensen, war im Gelände recht rasant und aufgrund seiner unzulänglichen Ausbildung in Sachen Balance sehr schnell.

Beim Longieren zeigte er große Probleme, besonders auf der rechten Hand.

Rudi ruhte in keinster Weise in sich selbst, er beantwortete seine Angst mit Kampf und Flucht.

   
Im März 2000 war auch dieses Pferd ihr nicht mehr gut genug. Da er in einer Zeitungsanzeige angeboten wurde, bat ich um einen Proberitt. Ich wähle meine Pferde sehr intuitiv auf, so ignorierte ich die fehlende Mobilität und Flexibilität, die Disbalancen und unzureichende Ausbildung, ich war sofort verliebt.

Doch wir konnten uns nicht einigen, er verließ den Hof. Einige Tage später rief mich der Pferdehändler an, so konnte ich Rudi einige Tage später doch noch kaufen. 


Nach dem üblichen Stallritual, bei neuen Pferden einen passenden Namen zu finden, nannten wir ihn Rudolph – Rudi.


 

 Rudi und Glenn mit Ferienkindern

Meine Kolleginnen und Freundinnen hielten mich für verrückt, tagelang hörte ich mir an, dass diese Art ein Pferd "zu erwerben" wahrlich unüberlegt und auch gefährlich sei. Ausgeschlossen, dass er jemals im Schulbetrieb Geld verdienen würde.

 ....  aber er hatte was … ich mochte ihn so sehr.

Nach nicht mal einem Jahr wurde Rudi eines der stärksten Schulpferde, die wir im Reitzentrum haben. Er ist prädestiniert, Späteinsteigerinnen die Freuden des Reitens zu vermitteln.


Er hat drei Kolleginnen durch Trainer C Prüfungen getragen (bei Johannes Beck-Broichsitter und in Vechta bei Jochen Keuter), er springt höher als er selbst ist, er springt Gekändehindernisse mit großem Elan und beherrscht sicher alle Seitengänge, Außengalopp und erlernt spielend eine Lektion nach der anderen. Er geht auf Trense und Kandare.

   
Das schönste am ihm ist sein unbändiger Stolz. Ich habe ihn einige Male mit auf Fortbildungen genommen, unglaublich -  wie gut Rudi sein kann, wenn andere Menschen zusehen :-) !!

               

Einige andere Trainer haben ihn schon mal kurz geritten -  mit dem Ergebnis: "Wow, selten ein so sensibles, korrektes und engagiertes (Schul-!)Pferd geritten!"

Was habe ich getan? 


In den ersten Monaten brauchte Rudi viel Zeit, Geduld und Abwechselung.

In den Schulbetrieb konnte er erst nach Monaten eingegliedert werden, dann allerdings gleich in der Rudi-Manier – gut.


• Seine total entzündeten Ohren sind schon zwei Tage nach dem Kauf behandelt worden, der grüne Eiter musste unter Teilnarkose entfernt werden, er musste echt Schmerzen gehabt haben. Die Ohren wurden gesund und wir haben viele Jahre seine Trense am Backenstück geöffnet, um ihm das Vertrauen in das Auftrensen zurückzugeben. Heute lässt er sich von ihm vertrauten Personen gut auftrensen, alle anderen achten seine Sorgen und öffnen die Trense.

 
• Er trägt einen für ihn angepassten Sattel „Cobra“. Wow, der Sattel dreimal so teuer wie das Pferd, aber was ist wertvoll - es ist wichtig, dass ein Pferd, das viel arbeitet, einen wirklich passenden Sattel trägt. Wichtig war uns, dass dieser Sattel sehr vielseitig ist, Rudi hat zwischenzeitlich bis 10 Reiter pro Woche getragen, die haben natürlich unterschiedlichen Körperbau. Heute ist Rudi mehr mein Pferd, er wird nur noch von "handverlesenen" Reitern genutzt. Er mag sie, was er deutlich zeigt.


• Longiert wird er auf Kappzaum. Wir akzeptieren, dass er niemanden auf sich turnen lässt. :-)


• Er war in den ersten Jahren mehrfach bei der Osteopathin Sabine Grewe und dem Chiropraktiker Dr. Donald Moffat, später bei Dr. Mareike Bollhorn und Karin Kattwinkel. Nach schier unendlicher Geduld (4 Jahre! ) galoppierte er nach einigen Jahren sicher auf beiden Händen.

Eine schwerwiegende Blockade am Widerrist, also zwischen den Schulterblätter hatte jahrelang den Rechtsgalopp verhindert.

... ich habe immer an ihn geglaubt. 


Ines und Rudi (hier mit Kandare) während eines Schaubildes

auf der Verdiana  2006.

    

Ines und ihre große Liebe Rudi beim Gymnastikspringen

   


Philippe Karl erklärt Ines die Nutzung der innere Hand beim Biegen -

niemals rückwärts, nur aufwärts, um die Zunge nicht zu quetschen

und nicht auf die Kinnladen zu drücken.

                  

  
Rudi, 19jährig, mit meiner Kollegin Susanne Anger, 
beim Probe-Fotoshooting für mein erstes Buch.
                 
  
Er ist echt zu jeder Tages- oder Jahreszeit ein super Kumpel.
                                

20jährig lernt er dank Monika Amelsberg piaffieren, 
er ist ein ausgewöhnlich vielseitiges Schul- und Lehrpferd.