Fiona


Ich war auf der Suche nach einem voltigiergeeigneten Pferd für das Reitzentrum. 

Ich wollte kein Pferd kaufen.

                  

                   

Seit August 2012 besitze ich also die 1,75 m große Fiona, eine Westfalenstute von Florestan, ein Dunkelfuchs, die sehr weit in Dressur und Springen ausgebildet ist.

             

                         

Ach ja, irgendwie kommt immer alles anders als geplant. Fiona geht natürlich kein Voltigieren.

                       


                   
Doch hier nun das Ganze Geschichte:
                                
Nach Rosarions Tod wollte ich eigentlich keine eigenen Pferde anschaffen. Aber das Schicksal geht manchmal eigenartige Wege. Und so fand ich im September 2012 durch Zufall die 1,77 m große Westfalenstute Fiona.
Sie war ein erfolgreiches Turnierpferd und ist in Dressur und Springen bis in die höchsten Klassen ausgebildet. Ich lernte sie im August 2012 kennen, als ich für den Verein ein Voltigierpferd suchte. Doch schon beim Probereiten wurde deutlich, dass dieses Pferd weder nervlich noch körperlich, geschweige von seinem Muskelzustand her, jemals voltigieren gehen wird. Trotzdem ließen mich die Gedanken an sie nicht los, so dass ich sie vier Wochen später kaufte – und das gegen all meine Überzeugungen. Ihr damaliger Gesamtzustand war – ich formuliere es mal diplomatisch – nicht einem belastungsfähigen und gut gerittenen Pferd entsprechend.
                     

Foto am Tag der Ankunft
                   
Ich wusste genau, dass sie nie eine Ankaufsuntersuchung überstehen würde.
Da ich aber gegen alle Vernunft dieses Pferd im Herzen schon gekauft hatte, verzichtete ich einfach auf die tierärztliche Ankaufsuntersuchung.
Stattdessen bat ich meine liebe Kollegin Karin Kattwinkel (www.equo-vadis.de) um eine umfangreiche Diagnose.
„Meine Fiona“ hatte zum Zeitpunkt des Kaufs einen Pilz, Milben und die Krätze – ich wusste bis dato nicht, dass es die Krätze heutzutage noch gibt. Das linke Hinterbein und auch der linke Hüfthöcker sind voller Narben. Osteopathisch war jeder Wirbel in der Wirbelsäule aus seiner Achse. Ihr Kehlkopf war derartig nach rechts verschoben, dass sie einen ganz lauten Ton hatte. Dieser Ton war so ausgeprägt, dass man sich, während sie geritten wurde, in der Reithalle nur lautstark unterhalten konnte. Auch ihr Zungenbein war "beeinträchtigt", was wir jedoch nicht richten konnten, weil die Zunge anfing zu bluten, als Fiona sie bewegt hatte. So wurde deutlich, dass sie sehr scharfe Kanten an den Zähnen hatte. Ihre Hufe waren in einem desolaten Zustand.
                           

Foto am Tag der Ankunft
                        
Die seitenlange Diagnose von Karin hatte uns erschüttert und gleichzeitig standen wir dort und versprachen Fiona, all diese Probleme zu richten. Ich glaube nicht, dass jemals ein Mensch mit ihr geredet hatte. Und so verging über ein Jahr bis sie ihr Schweigen brach und begann mit uns zu reden.
                
Nach diversen Behandlungen mit Akkupunktur, Osteopathie, Karniosakralem, dem Schmied, dem Zahnarzt, stellten sich weitere Probleme ein. Fiona hatte große Probleme beim Satteln, so dass sie im Ende bis Herbst 2013 von zwei kleinen Mädchen geritten wurde, ohne Sattel und ohne Gurt, und überhaupt nicht am Zügel.
                      

                     
Im Nachhinein glaube ich, dass diese totale Auszeit sehr heilsam für die Stute war. Wir wussten von Anfang an, dass Fiona besondere Behandlung beim Hängerfahren braucht. In dem ersten Jahr wurde uns auch sehr deutlich, dass sie einen sehr großen Individualabstand hat. Salopp gesagt, sie ist extrem zickig gegenüber anderen Pferden. Im zweiten Jahr mit Fiona nahmen wir sie komplett aus der Springgymnastik heraus und forschten immer weiter nach, woher die Narben stammen.
Da mir die Vorbesitzerin nichts dazu gesagt hatte, recherchierte ich über Fionas Lebensnummer, ihren Werdegang und fand weitere Vorbesitzer.
Nachdem ich aufs Übelste beschimpft wurde und mit den Worten abgespeist wurde:“Na, wenn Sie nicht reiten können, dann geben Sie doch nicht dem Vorbesitzer die Schuld.“ gab ich die Suche auf. In der folgenden Zeit  „begleitete“ Fiona in Form eines Fotos zu einem Tierkommunikationskurs.
So brach sie nach fast zwei Jahren ihr Schweigen und berichtete auf erschreckende Weise von ihrem Turnierleben und von einem Anhängerunfall.
All ihre Befunde passen zu einem Anhängerunfall. Und da sie fast jedes Wochenende auf Turnieren geritten ist, würde sich so auch eine Lücke von rund zwei Monaten erklären.
In diesem Jahr (2015) habe ich erfahren, dass bei Wirbeltieren, also auch beim Menschen, unbehandelte Unfälle eine so lange Heilungszeit benötigen, wie zwischen Unfall und dem Heilungsbeginn besteht. So erstaunte es umso mehr, dass sie im November 2014, also nach 26 Monaten, mit einer ganz anderen Grundeinstellung im Reiten zu beobachten war. Sie hat Freude an fliegenden Wechsel, sie fing nach und nach an das Genick zu runden, ohne dass ihr der Ton und ihre Atmung Probleme bereiteten. Wir füttern über Winter Ingwer, was ihren Knochen und Gelenken sehr gut tut.
          

Foto im Februar 2015
      
Im April 2015 begann sie zu lahmen, dass erste Mal, seit wir sie haben.
Ich sah mich gezwungen ihre Knie röntgen zu lassen. Der Tierarzt „röntgete sich in Rage“.
Das kurze Ergebnis: Sie hat in jedem Gelenk der Hinterhand Arthrose.
Beide Menisken haben Schäden und das rechte Krongelenk ist in einem Zustand, dass der Tierarzt glaubte, sie wäre nicht mehr reitbar.
Ich war in der Zeit in Bayern.
Wir besaßen seit Februar 2015 eine Laserfelddusche, wobei Fiona die Behandlung damit verweigerte.
So bündelte ich von Bayern aus all meine Gedanken und sagte nur einen Satz:“Ich töte dich, wenn du dich nicht lasern lässt!“ Ich muss sehr überzeugend gewirkt haben. Von diesem Tag an, ließ Fiona sich anstandslos lasern und ist seit Juni wieder lahmfrei.
Wir haben durch dieses Pferd noch besser gelernt zuzuhören und auch die kleinsten Hinweise ernst zunehmen. Beispielsweise grunzt sie beim Angaloppieren. Wir haben festgestellt, dass wir mit entsprechendem Training und der Achtsamkeit um diesen Laut, das Grunzen, verhindern können. Beispielsweise kann sie auf der linken Hand aus dem Schritt heraus nicht schmerzfrei angaloppieren, aber aus dem Trab.
             
Angesichts ihrer Arbeitswilligkeit, den Diagnosen und ihrem teils eindrucksvollem Kommunizieren, nehmen wir also Rücksicht und galoppieren sie aus dem Schritt nur auf der rechten Hand an.
In der Lösungsphase springt sie gerne fliegende Wechsel. Im Trab geht sie wenige Tritte vorwärts-seitwärts, allerdings reiten wir sie im Schritt reiten nicht mehr seitwärts.
Unser Fokus ist die Gymnastik, die Flexibilität und Mobilität und als Kontrolle dienen uns Beobachtungen, wie sie sich auf der Wiede hinlegt und wälzt.
Leider kann sie nicht mehr die Gelenke so anwinkeln, so dass sie sich aus „halber Höhe“ fallen lässt. Bei guter Gymnastik verringert sich diese Höhe zusehends.
                                
Mittlerweile wissen wir, dass sie schon dreijährig Röntgenklasse 2-3 war. Und dass es einen Vollbruder gab, der mit ähnlichen Diagnosen nicht so alt wurde.
                          
Der Leser mag sich fragen, ob ich es angesichts der vielen Rückschläge nicht bereut habe, dieses Pferd gekauft zu haben.
Meine Antwort ist:
Ich weiß ()noch) nicht, warum dieses wundervolle Geschöpf in meinem Leben ist.
Aber ich weiß, dass ich durch jede Begegnung etwas lerne und bin dankbar für jeden Tag, den ich mit ihr habe.
             

      Wir müssen immer auf ihre haut achten, es stellt sich immer mal wieder Juckreiz ein. Hier ihr Wohlfühlgesicht, wenn wir sie gründlich am Bauch "schrubben!"