Foto: Elena Bokelmann

   

Die Philosophie meiner Zusammenarbeit mit Pferden und Reitern hat sich im Laufe der Jahre gewandelt.

                

Während ich viele Jahre durch qualitätsvollen Unterricht in der FN geprägt wurde, hat sich in den letzten 15 Jahren mein Blickwinkel erweitert. Toleranz, Neugier auf andere Wege und andere Denkweisen haben Impluse gesetzt.

                        

Lange Jahre sah ich, dass Reiten lernen bedeutet, (Ideal-)Formen vorzugeben und das Pferd durch Einsatz von Sporen, Gerten und "Zufassen" dahin zu bringen, die gewünschte Haltung anzunehmen und geforderte Lektionen unverzüglich auszuführen. Widerspruch der Pferde wurde im Keim erstickt. Die Abwesenheit von Korrektur und Strafe war Lob genug.

                          

Zeitweilig erging es mir als Reiterschülerin genau so: das Bein sollte lang, die Schultern zurück, die Hände still am Platz. Auch da gab es keine Ausnahmen.

                            

Da ich mit meinen erlebten Unfällen, körperlichen Beeinträchtigungen sowie einer sowieso nicht so großen Körperlänge nicht in diese Raster eines idealen Reitersitzes passte, wurde mir trotz Turniererfolgen und Trainerausbildungen oftmals Talentfreiheit und geringe Möglichkeiten zur Weiterentwicklung attestiert.

     

1989 lernte ich Berit Scupin kennen. Sie ist Pferdewirtschaftsmeisterin Z+H, Westernreiterin und hatte in einem Rennstall gelernt. Sie kannte Linda 

Tellington-Jones. Das war für mich totales Neuland.

                                   

Bis dahin hatte ich 20 Jahre Warmblüter geritten, war Trainer A, hatte kaum ein Pony geritten, geschweige denn andere Reitweisen kennen gelernt.

                 

Ich war in dem deutschen Reitsystem, dem konventionellen Reiten Mitglied, ohne dieses jemals grundlegend zu hinterfragen. Dieses System war schon immer so, das profiliert sich durch internationale Erfolge, das hat Geschichte  - so muss es ja richtig sein.

    

Heute ist alles anders: 


Ich bin zur Forscherin geworden.

     

Was sagen andere Reitweisen?

Worauf stützen andere Vorgehensweisen ihre Reitlehren?

Wer ist berühmt?               

Wer kann sich (nur) gut verkaufen?

Von wem kann man was lernen?

    

Ich habe eine Metapher, um den Wandel zu erklären:

      

Früher war ich HSV - FAN - ich lebte in Hamburg, ritt im Harburger Reitverein und bewunderte erfolgreiche Turnierreiter. Damals als wir noch auf den Abreiteplätzen saßen, um von "den Großen" zu lernen, habe ich Jahrzehntelang für die Richter auf Turnieren geschrieben, meine Auge geschult und auf diese Weise in der Praxis dazugelernt. Aber ich kannte nur das, ich kannte keinen Isländer- oder Westernreiter.

    

Mittlerweile bin ich Fussballfan:

                        

In Hamburg habe ich meine Wurzeln (Eva Römer, Uwe Wichmann),

Lyon beeindruckt mich (Philippe Karl).

Lüneburg gibt mir stets wichtiges Hintergrundwissen (Eckart Meyners) ...

Rechtmehring hat meine Kenntnisse bunt gemacht (Mike Geitner und Alexandra Schmid)

da ist noch Wien (Dr. Robert Stodulka) -  

und diese Liste kann ich weiterführen: ....................


               

all diese Menschen haben Einfluss auf mich und mein Handeln, mein Denken..

..... die Liste ist lang.

     

Bea Borelle hat einige Jahre in Fintel gelebt, das hat uns deutlich geprägt, aber auch die Feldenkrais-Lehrerin Alexa Rüdel hinterließ bleibenden, zukunftsweisenden Eindruck.

Auch in meinem direkten Umfeld gibt es Persönlichkeiten, von denen ich lernen kann, der fachliche Austausch ist wichtig und hält mich aktiv:

Reitausbilder und viele Pferdeosteopathen, Chiropraktiker oder heilende Fachleute, deren Kooperation an meinen Kursorten ich nicht eine Minute missen möchte. 


Die Gesundheit und Gesunderhaltung der Pferde sowie fundiertes Wissen rund um die Ausrüstung der Pferde hat einen viel umfassenderen Schwerpunkt gefunden.

     

Ich danke Familie Thomas und Inge Vogel, dank deren Auswahl an fachlich sehr qualifizierten PferdeDVDs ( www.pferdia.de) und einem beeindruckenden Sortiment an Pferdefachbüchern konnte ich meinen Blickwinkel noch mehr erweitern.

   

Von jedem Menschen, ob persönlich bekannt oder nur via DVD oder Buch, kann ich lernen.

    

     

In den Lehrgängen "Muskelaufbau der Pferde" malen die Kursteilnehmer unsere Pferde an - hier meinen Hengst Rosarion - rot sind Knochen ( ja, ja: der kritische Leser sieht, dass der Oberschenkel nicht korrekt angemalt ist!), gelb und weiß die Muskeln. Beim anschließenden Longieren mit verschiedenen Hilfsmitteln lernen wir viel über die Biomechanik der Pferde.

Mittlerweile haben Ausbilder wie Gillian Higgins diese Idee perfektioniert. Es gibt dazu hervorragende Bücher und eine sehr lehrreiche DVD, die Bewegung und deren Auswirkungen auf den Pferdekörper deutlich machen und uns Laien nachvollziehen lassen.

    

Ich liebe die Vielfalt - sichtbar an der bunten Mischung unserer Schulpferde in Fintel.

   

     

    

Es geht weiter - alles ist im Fluss

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Ich spreche mit Christiane Horstmann:


"REITEN STATT STREITEN"

                        

Schade, dass es im Reitsport soviel emotionalen Streit gibt, aber:

                        

In meinem Bücherschrank vertragen sich all diese Pferdefachleute ganz prima. Dort stehen sie nebeneinander, ergänzen einander und erklären teilweise auch den anderen ... und viele anderen auch.

                           

Dort, in meinem Bücherschrank, kann ich jeden Fachmann fragen und bekomme stets sachliche Antworten. Oft sind sie einer Meinung und manchmal haben sie verschiedene Sichtweisen, dann finde ich meinen Weg und kann mich an deren Argumenten orientieren.

                       

In meinem Leben ist jeder Fachmann auf seine Weise wichtig und manch anderer hatte auch Einfluss, ich möchte keinen missen.

         

Im meinem Geist kann ich sie alle vernetzen, ohne Machtkampf, Rechthaberei, Stress oder Streit.


und: Das ist gut so.